Der zerstreute Professor: Warum Kommunikation keine Einbahnstraße ist

Kommunikation - Der zerstreute Professor

Ein zerstreuter Professor der Philosophie hatte seinen ersten Tag als Gastdozent an einer Universität im fernen Osten. Der Campus war sehr groß und noch kannte er sich nicht besonders gut mit den Schriftzeichen aus, doch wies ihm ein zuvorkommender Student den Weg zu seinem Hörsaal. Er war ein wenig überrascht, dass so viele Studenten seine Einführungsveranstaltung in die Philosophie der Aufklärung hören wollten – in seinem Heimatland waren es sehr viel weniger.

Ermutigt vom großen Interesse begann er so mit dem ihm eigenen Enthusiasmus über seine Lieblingsepoche zu sprechen. Er hatte diesen Vortrag schon häufig gehalten und war von seiner Qualität überzeugt. Deshalb machte es ihn ein wenig stutzig, dass ihn die meisten Studenten teilnahmslos anblickten und keiner es für nötig hielt, seine Gedanken mitzuschreiben. Das entsprach nicht der Reputation der eifrigen Studenten an dieser elitären Universität.

Während er darüber grübelte, woran das Desinteresse liegen könne, betrat auf einmal ein anderer Professor den Hörsaal. Dieser schaute ihn ganz verdutzt an und fragte ihn, was er dort hinter dem Stehpult mache. Ich verstehe Sie nicht, sagte der Professor, ich führe die Studenten in die Philosophie der Aufklärung ein! Nun ja, entgegnete der andere, das ist bestimmt interessant. Doch leider befinden Sie sich im falschen Raum, hier findet die Einführung in die Kommunikationswissenschaft statt. Wenn das so ist, sagte der Philosophieprofessor lächelnd, dann können Sie Ihre Studenten getrost nach Hause schicken. Ich glaube für heute haben sie genug gelernt!