Die Reise nach Nepal: Glück ist trainierbar

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Sie sind ausgebrannt, gönnen Sie sich eine Auszeit! Der Mann verstand nicht recht. Wie sollte er sich eine Auszeit nehmen, es gab so viel zu tun. Worauf haben Sie in den vergangenen Jahren verzichtet, was Ihnen Freude bereitet? Immer noch benebelt von der Diagnose des Arztes hallte die Frage einige Sekunden in seinem Kopf nach. Dann besann er sich: In jungen Jahren bin ich viel um die Welt gereist und haben ferne Länder erkundet. Nur in Asien bin ich noch nie gewesen. Zufrieden kritzelte der Arzt etwas auf einen Zettel. „Einmal Nepal“ stand dort. Ihre Krankenkasse wird das wohl nicht übernehmen, sagte die Sprechstundenhilfe schmunzelnd. Angesichts der offensichtlich sehr wertvollen Designeruhr des Patienten hegte sie jedoch keine Zweifel, dass die Einlösung des Rezepts am Geld scheitern könne.

So brach der Mann eine Woche später nach Nepal auf und bereits bei der Planung der Reise verspürte er dieses positive Kribbeln, das in den letzten beiden Jahren aus seinem Leben verschwunden gewesen war. Die Tatsache, dass sein Chef kein Verständnis für seinen „Selbstfindungstrip“ zeigte, störte ihn auf einmal weniger als erwartet.

Nur wenige Tage nach seiner Ankunft in Nepal begann er aufzublühen und er genoss es sehr, mit den freundlichen Menschen vor Ort Kontakt aufzunehmen und mehr über ihr Leben zu erfahren. Als die Bewohner eines kleinen Dorfes im Himalaya vom traurigen Beweggrund seiner Reise erfuhren, schauten sie sich wissend an. Sie hatten Mitleid mit diesem für sie armen Mann aus dem Westen, der ihnen so herzlich und offen begegnete. Schließlich verrieten sie ihm ein Geheimnis, das sie mit nur wenigen Fremden überhaupt teilten. Sie erzählten, dass auf der Spitze des Berges in einer kleinen Hütte ein Mönch lebe, der als der glücklichste Mensch des ganzen Landes gelte. Geh zu ihm, rieten sie dem Mann, und finde dein Glück!

Fast drei Tage wanderte er über unbekannte Wege den Berg hinauf und mehr als einmal war er kurz davor, umzukehren. Müde, erschöpft und hungrig erspähte er schließlich die kleine Hütte des Mönchs und klopfte mit pochendem Herz an die rote Holztür, doch schien dieser keine Anstalten zu machen, dem Fremden Einlass zu gewähren. Also rief der Mann: Bitte öffne mir die Tür! Ich bin Tausende von Kilometern nach Nepal gereist und habe große Strapazen auf mich genommen. Bitte sag mir: Worin liegt das Geheimnis des Glücklichseins?

Da öffnete der Mönch die Tür und schaute ihn mit seinen weisen Augen für eine ganze Weile an. Auf einmal begann er herzhaft zu lachen. Der Mann war verwirrt und dachte, der Mönch lache ihn für seine Torheit aus. Doch nach kurzer Zeit steckte ihn das Lachen des Mönchs an und gemeinsam lachten die beiden für eine gefühlte Ewigkeit, ohne je ein weiteres Wort zu wechseln.

Voller Energie machte er sich auf den Weg zurück ins Tal und fragte sich, warum der Mönch ihm nicht verraten hatte, worin das Geheimnis des Glücklichseins liege. Als er an die Begegnung dachte, musste er sofort unweigerlich wieder anfangen zu lachen. Und da verstand er die Botschaft des Mönchs: Wir lachen nicht, weil wir glücklich sind, sondern wir sind glücklich, weil wir lachen.

Der Gipfelstürmer: Von der Kunst des Innehaltens

Businessparabel - Der Gipfelstürmer

Zwei Wanderer bestiegen gemeinsam einen Berg, den sie für den höchsten in der gesamten Region hielten. Während der eine der beiden nur das Ziel — den Gipfel — vor Augen hatte, blieb der andere häufiger stehen, um die Aussicht zu genießen. Dies begann den Schnelleren zu nerven, weil er den inneren Druck verspürte, so bald wie möglich die Spitze des Berges zu erreichen. Der Langsamere bemerkte die Getriebenheit des anderen und fragte ihn, ob er nicht auf dem Gipfel auf ihn warten wolle.

So preschte der andere vor und erreichte in einer Rekordzeit das angestrebte Ziel. Glücklich schaute er sich auf dem Gipfel um und sein Blick schweifte in die Ferne. Da sah er zu seiner Verwunderung, dass nicht weit entfernt ein anderer Berg noch höher zu sein schien als der, auf dem er sich befand. Das konnte nicht sein, er wollte doch zuhause nicht erzählen, dass er lediglich den zweithöchsten Berg der Region erklommen habe. Hektisch packte er sein Brot wieder ein und rannte den Berg hinab.

Auf dem Rückweg begegnete er dem langsameren Wanderer, dem noch ein gutes Stück bis zum Gipfel fehlte. Tut mir leid, rief er ihm im Vorbeigehen zu, ich muss weiter. Auf der anderen Seite ist ein noch höherer Berg! Dieser entgegnete: Ist schon gut, zieh ruhig weiter. Und bei sich dachte er: Wer den Weg nicht auch als Teil des Ziels begreift, ist sowieso kein angenehmer Weggefährte.