Das Spiegelbild: Wie unser innerer Kritiker am Selbstbewusstsein nagt

Business Parabel - Selbstkonzept

Sie blickte in den Spiegel. Die Person, die sie dort sah, gefiel ihr nicht. So kannst du auf keinen Fall aus dem Haus gehen! Deine Haare sehen mal wieder unmöglich aus, die Hose sitzt gar nicht und passt auch nicht zu deiner neuen Jacke! Niedergeschlagen verließ sie ihre Wohnung und ging zur Arbeit.

Ihre Chefin begrüßte sie fröhlich und gratulierte ihr zu einer gelungenen Präsentation: Die Kunden waren begeistert! Ihr fiel es schwer, das Kompliment anzunehmen. Noch lange hatte sie am Vortag über die Präsentation nachgedacht und sich dabei im Nachhinein doch sehr an einigen Formulierungen gestoßen. Wie konnte ihre Chefin die Unzulänglichkeiten nicht bemerkt haben? Wahrscheinlich tat sie nur begeistert, um sie aufzumuntern.

Mittags war sie mit einem Freund verabredet. Du siehst toll aus, sagte er. Das meinst du nicht ernst, antwortete sie. Schau dir doch mal meine Augenringe an, ich werde alt! Er beteuerte hingegen, dass sie wirklich gut aussehe in ihrer neuen Jacke.

Am Abend hatte sie mit ihrer Mannschaft ein Hockeyspiel. Sie fühlte sich ein wenig müde und war deshalb in einigen Situationen unkonzentriert. Wütend knallte sie ihren Schläger auf den Boden, als sie gegen Ende des Spiels eine hundertprozentige Chance nicht verwandeln konnte. Trotzdem wurde sie von ihrer Trainerin zu wertvollsten Spielerin des Tages gekürt. Bei sich dachte sie: Ich bekomme die Auszeichnung nur, weil heute mein Geburtstag ist, ich habe sie eigentlich nicht verdient!

Kurz vorm Einschlafen klingelte ihr Telefon. Es war ihre Mutter, die tagsüber vergeblich versucht hatte, ihre Tochter zu erreichen. Ihr erzählte sie von ihrem Tag. Ihre Mutter hörte aufmerksam zu und merkte, dass ihre Tochter nicht besonders glücklich schien. Schließlich fragte sie: Bist du eigentlich dir selbst eine Freundin? Die Tochter verstand nicht so recht: Wie meinst du das? fragte sie. Na ja, wenn du mit einer Freundin so reden würdest, wie mit dir selbst, dann würde die Freundschaft keinen einzigen Tag halten.

Die traurige Nachricht: Vom Wert der digitalen Freundschaft

Businessparabel: Die traurige Nachricht

Wenn du eine gute Freundin im Leben hast, dann ist das viel, pflegte ihre Großmutter immer zu sagen. Es war ein Rat, der ihr nicht mehr zeitgemäß erschien, doch wollte sie ihre Großmutter nicht belehren. Heutzutage war der Quell an Freunden doch unerschöpflich. In den sozialen Netzwerken knüpfte sie fast täglich neue Freundschaften, ein Klick reichte aus. Auf der ganzen Welt hatte sie Freunde, mit denen sie die schönen und aufregenden Erlebnisse aus ihrem Leben teilen konnte.

Am Tag, an dem ihre Großmutter starb, hatte sie 1001 Freunde in ihrem digitalen Netzwerk. Sie verspürte ein innere Leere und es überkam sie eine Traurigkeit, die sie so noch nie erlebt hatte. Zum ersten Mal seit mehreren Jahren postete sie nichts auf ihre Pinnwand. Negatives hatte dort einfach keinen Platz. Sie fiel in ein tiefes Loch und merkte, dass sie unbedingt mit jemandem außerhalb ihrer Familie über den Tod ihrer Großmutter sprechen musste. Als sie darüber nachdachte, wem sie sich wohl in dieser für sie so unbekannten und schwierigen Situation anvertrauen könnte, fiel ihr nur eine einzige Person ein — ihre beste Freundin, die sie in letzter Zeit ziemlich vernachlässigt hatte.

Drei Stunden später saßen sie zusammen auf ihrem Bett und weinten so lange, bis sie nicht mehr weinen konnten. Dann begann sie zu erzählen, was ihre Großmutter für eine beeindruckende und weise Frau gewesen war. Und während sie ihre Freundin dabei anschaute, musste sie auf einmal daran denken, was ihre Großmutter immer gesagt hatte: Wenn du eine gute Freundin im Leben hast, dann ist das viel.

Wieder begann sie zu weinen. Erst durch den Tod ihrer Großmutter verstand sie, was dieser Satz wirklich bedeutet.