Der Wolkenleser: Wie unsere Glaubenssätze unsere Motivation bestimmen

In einem kleinen Dorf an der Küste Kantabriens lebte ein alter Mann, der als der Wolkenleser bekannt war. Das Einzige, was die Dorfbewohner von ihm wussten, war, dass er die Zukunft der Menschen vorhersagen konnte, indem er in den Wolken las. Fast täglich kamen Männer und Frauen zu ihm, um ihn nach ihrer Zukunft zu befragen. Der Wolkenleser verlangte keinen Lohn, aber stellte zwei Bedingungen. Die eine war, dass ihm die Menschen ein konkretes Ziel nennen sollten. Er verriet ihnen dann, ob sie es erreichen würden. Die andere war, dass nicht über seine Worte mit anderen gesprochen werden durfte.

Für den Wolkenleser gab es zwei Arten von Menschen. Diejenigen, die an ihn glaubten und diejenigen, die nicht an ihn glaubten. Denen, die an ihn glaubten, sagte er: Ich lese in den Wolken, dass du dein Ziel erreichen wirst. Gehe deinen Weg! Denen, die nicht an ihn glaubten, sagte er: Die Wolken verraten mir, dass du dein Ziel leider nicht erreichen wirst.

Nach einiger Zeit kehrten die meisten zum Wolkenleser zurück. Die Erstgenannten, um ihm freudig die Botschaft zu übermitteln, dass sich seine positive Prophezeiung erfüllt habe. Die Zweitgenannten, um ihm zu beweisen, dass sie trotz seiner negativen Vorhersage ihr Ziel erreicht hatten. Diese pflegte er zu fragen: Hast du es trotz oder wegen meiner Prophezeiung geschafft?

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Sven von der Heyde