Der Koffer auf der Kirchturmspitze: Vom Wert der Willenskraft

Der Koffer auf der Kirchturmspitze

Zusammen mit seinem geliebten Großvater erkundete ein kleiner Junge an jedem ersten Sonntag im Monat die schönsten Orte der Region. Der Großvater kannte jeden Stein und jeden Winkel in dieser Ecke des Landes und es bereitete ihm große Freude seinem Enkel Geschichten über die dort lebenden Menschen und ihre Besonderheiten zu erzählen.

An einem goldenen Herbsttag fuhren sie in einen nahe gelegenen Wald, der ein beliebtes Ausflugsziel für Familien war. Die Sonne funkelte durch die bunt schimmernden Blätter der Bäume und der Großvater erzählte seinem Enkel, wie er bereits mit seinen Eltern Sonntagsspaziergänge hier gemacht hatte. Nachdem sie eine Weile gewandert waren, wurde der kleine Junge müde und ihm taten die Füße weh. Wann sind wir endlich da? fragte er seinen Großvater. Dieser entgegnete: Wir werden gleich zu einem herrlichen Aussichtspunkt kommen, dann können wir uns ein wenig ausruhen.

An der Lichtung angelangt, setzten sich die beiden nebeneinander auf eine alte Holzbank, packten ihre Brote aus und ließen den Blick gen Westen schweifen. In der Ferne erspähte der kleine Junge die Spitze eines Kirchturms und er fragte seinen Großvater, ob er ihm etwas über diese Kirche erzählen könne. Der Großvater nickte bedächtig und sagte dann: Im benachbarten Dorf erzählt man sich, dass ganz oben auf der Spitze dieses Kirchturms ein Koffer voller Süßigkeiten verborgen liege. Der kleine Junge, der für sein Leben gern Süßigkeiten aß, entgegnete aufgeregt: Großvater, worauf warten wir dann? Lass uns sehen, ob die Geschichte stimmt!

Also wanderten sie viele Kilometer durch die hügelige Landschaft und kamen schließlich ziemlich erschöpft an der Kirche an. Die Besucher des Gottesdienstes waren schon längst wieder nach Hause zurückgekehrt und auch der Pastor der Gemeinde genoss seinen wohl verdienten freien Sonntagnachmittag. Die große schwere Eingangstür der Kirche ließ sich mit ein wenig Anstrengung öffnen und schnell fanden sie den Aufgang zum Kirchturm. So rannte der kleine Junge die 253 Stufen im Rekordtempo hinauf und begann sofort nach dem Koffer voller Süßigkeiten zu suchen. Einige Minuten später kam sein Großvater nach Luft schnappend oben an und setzte sich auf einen Holzstuhl, der für die betagteren Besucher der Kirchturmspitze bereit stand.

Eine gefühlte Ewigkeit suchte der kleine Junge vergeblich nach dem Koffer und wendete sich schließlich verzweifelt und verärgert an seinen Großvater: Hier ist kein Koffer, wir haben den ganzen weiten Weg umsonst auf uns genommen! Der weise Großvater entgegnete mit seiner beruhigenden Stimme: Mein lieber Enkel, du hast gerade etwas viel Wertvolleres als einen Koffer voller Süßigkeiten gefunden!

Fragend blickte ihn der kleine Junge an. Schau dich um, du bist auf dem höchsten Punkt der gesamten Region angekommen. Du hast dir selbst bewiesen, wozu du in der Lage bist, wenn du etwas wirklich willst. Jedes Mal, wenn du in Zukunft erschöpft bist und glaubst dein Ziel nicht erreichen zu können, dann denke an den heutigen Tag zurück!

Und dann zog der Großvater eine kleine Packung Süßigkeiten aus seiner Jackentasche und reichte sie seinem geliebten Enkel. Zusammen saßen sie noch mindestens eine Stunde auf dem kleinen Holzstuhl und genossen vergnügt die wunderbare Aussicht.

Die Sprache der Zukunft: Von der Kunst des richtigen Fragens

Business Parabel - Die Sprache der Zukunft

Warum machen wir das hier? fragte ein ungeduldiger Teilnehmer des Workshops in die Runde. Aus meiner Sicht ist das absolute Zeitverschwendung!

Die Leiterin des Workshops hatte nur auf diese Frage gewartet und sagte: Ihr seid hier, um das Wort „Warum“ für immer durch ein anderes Wort zu ersetzen. Die Teilnehmer blickten sie verständnislos an. Wir sollen einen ganzen Tag damit verbringen, ein wichtiges Wort aus unserem Wortschatz zu streichen? Wieso sagst du uns nicht einfach den Grund und wir kehren alle zu unserer Arbeit zurück? Die Workshopleiterin erwiderte: Ich sage es euch nicht, weil ihr erst die Sprache der Zukunft erlernen müsst, um das neue Wort zu verstehen.

In den folgenden Stunden arbeiteten die Teilnehmer in Teams an verschiedenen Aufträgen. Zunächst folgten sie stur den Anweisungen der Leiterin, doch begriffen sie im Laufe des Tages, dass sie sich wesentlich besser motivieren konnten, wenn sie sich im Team Ziele setzten. Waren sie zu Beginn des Workshops noch träge und müde gewesen, so gingen sie später voller Tatendrang an das Erreichen ihrer Ziele. Dabei vergaßen sie ganz die Zeit und waren erstaunt, als die Leiterin am Nachmittag sagte: Das soll für heute reichen. Morgen früh sehen wir uns wieder.

Am nächsten Morgen kamen die Teilnehmer wieder zusammen. Als die Leiterin des Workshops den Raum betrat, fragten sie: Und, wozu treffen wir uns heute? Sie lächelte und sagte: Mit dieser Frage ist der Workshop offiziell beendet. Ihr habt gelernt, „warum“ durch „wozu“ zu ersetzen. Nun macht euch an die Arbeit und gestaltet die Zukunft!

Die Reise nach Nepal: Glück ist trainierbar

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Sie sind ausgebrannt, gönnen Sie sich eine Auszeit! Der Mann verstand nicht recht. Wie sollte er sich eine Auszeit nehmen, es gab so viel zu tun. Worauf haben Sie in den vergangenen Jahren verzichtet, was Ihnen Freude bereitet? Immer noch benebelt von der Diagnose des Arztes hallte die Frage einige Sekunden in seinem Kopf nach. Dann besann er sich: In jungen Jahren bin ich viel um die Welt gereist und haben ferne Länder erkundet. Nur in Asien bin ich noch nie gewesen. Zufrieden kritzelte der Arzt etwas auf einen Zettel. „Einmal Nepal“ stand dort. Ihre Krankenkasse wird das wohl nicht übernehmen, sagte die Sprechstundenhilfe schmunzelnd. Angesichts der offensichtlich sehr wertvollen Designeruhr des Patienten hegte sie jedoch keine Zweifel, dass die Einlösung des Rezepts am Geld scheitern könne.

So brach der Mann eine Woche später nach Nepal auf und bereits bei der Planung der Reise verspürte er dieses positive Kribbeln, das in den letzten beiden Jahren aus seinem Leben verschwunden gewesen war. Die Tatsache, dass sein Chef kein Verständnis für seinen „Selbstfindungstrip“ zeigte, störte ihn auf einmal weniger als erwartet.

Nur wenige Tage nach seiner Ankunft in Nepal begann er aufzublühen und er genoss es sehr, mit den freundlichen Menschen vor Ort Kontakt aufzunehmen und mehr über ihr Leben zu erfahren. Als die Bewohner eines kleinen Dorfes im Himalaya vom traurigen Beweggrund seiner Reise erfuhren, schauten sie sich wissend an. Sie hatten Mitleid mit diesem für sie armen Mann aus dem Westen, der ihnen so herzlich und offen begegnete. Schließlich verrieten sie ihm ein Geheimnis, das sie mit nur wenigen Fremden überhaupt teilten. Sie erzählten, dass auf der Spitze des Berges in einer kleinen Hütte ein Mönch lebe, der als der glücklichste Mensch des ganzen Landes gelte. Geh zu ihm, rieten sie dem Mann, und finde dein Glück!

Fast drei Tage wanderte er über unbekannte Wege den Berg hinauf und mehr als einmal war er kurz davor, umzukehren. Müde, erschöpft und hungrig erspähte er schließlich die kleine Hütte des Mönchs und klopfte mit pochendem Herz an die rote Holztür, doch schien dieser keine Anstalten zu machen, dem Fremden Einlass zu gewähren. Also rief der Mann: Bitte öffne mir die Tür! Ich bin Tausende von Kilometern nach Nepal gereist und habe große Strapazen auf mich genommen. Bitte sag mir: Worin liegt das Geheimnis des Glücklichseins?

Da öffnete der Mönch die Tür und schaute ihn mit seinen weisen Augen für eine ganze Weile an. Auf einmal begann er herzhaft zu lachen. Der Mann war verwirrt und dachte, der Mönch lache ihn für seine Torheit aus. Doch nach kurzer Zeit steckte ihn das Lachen des Mönchs an und gemeinsam lachten die beiden für eine gefühlte Ewigkeit, ohne je ein weiteres Wort zu wechseln.

Voller Energie machte er sich auf den Weg zurück ins Tal und fragte sich, warum der Mönch ihm nicht verraten hatte, worin das Geheimnis des Glücklichseins liege. Als er an die Begegnung dachte, musste er sofort unweigerlich wieder anfangen zu lachen. Und da verstand er die Botschaft des Mönchs: Wir lachen nicht, weil wir glücklich sind, sondern wir sind glücklich, weil wir lachen.

Das Spiegelbild: Wie unser innerer Kritiker am Selbstbewusstsein nagt

Business Parabel - Selbstkonzept

Sie blickte in den Spiegel. Die Person, die sie dort sah, gefiel ihr nicht. So kannst du auf keinen Fall aus dem Haus gehen! Deine Haare sehen mal wieder unmöglich aus, die Hose sitzt gar nicht und passt auch nicht zu deiner neuen Jacke! Niedergeschlagen verließ sie ihre Wohnung und ging zur Arbeit.

Ihre Chefin begrüßte sie fröhlich und gratulierte ihr zu einer gelungenen Präsentation: Die Kunden waren begeistert! Ihr fiel es schwer, das Kompliment anzunehmen. Noch lange hatte sie am Vortag über die Präsentation nachgedacht und sich dabei im Nachhinein doch sehr an einigen Formulierungen gestoßen. Wie konnte ihre Chefin die Unzulänglichkeiten nicht bemerkt haben? Wahrscheinlich tat sie nur begeistert, um sie aufzumuntern.

Mittags war sie mit einem Freund verabredet. Du siehst toll aus, sagte er. Das meinst du nicht ernst, antwortete sie. Schau dir doch mal meine Augenringe an, ich werde alt! Er beteuerte hingegen, dass sie wirklich gut aussehe in ihrer neuen Jacke.

Am Abend hatte sie mit ihrer Mannschaft ein Hockeyspiel. Sie fühlte sich ein wenig müde und war deshalb in einigen Situationen unkonzentriert. Wütend knallte sie ihren Schläger auf den Boden, als sie gegen Ende des Spiels eine hundertprozentige Chance nicht verwandeln konnte. Trotzdem wurde sie von ihrer Trainerin zu wertvollsten Spielerin des Tages gekürt. Bei sich dachte sie: Ich bekomme die Auszeichnung nur, weil heute mein Geburtstag ist, ich habe sie eigentlich nicht verdient!

Kurz vorm Einschlafen klingelte ihr Telefon. Es war ihre Mutter, die tagsüber vergeblich versucht hatte, ihre Tochter zu erreichen. Ihr erzählte sie von ihrem Tag. Ihre Mutter hörte aufmerksam zu und merkte, dass ihre Tochter nicht besonders glücklich schien. Schließlich fragte sie: Bist du eigentlich dir selbst eine Freundin? Die Tochter verstand nicht so recht: Wie meinst du das? fragte sie. Na ja, wenn du mit einer Freundin so reden würdest, wie mit dir selbst, dann würde die Freundschaft keinen einzigen Tag halten.

Der Gipfelstürmer: Von der Kunst des Innehaltens

Businessparabel - Der Gipfelstürmer

Zwei Wanderer bestiegen gemeinsam einen Berg, den sie für den höchsten in der gesamten Region hielten. Während der eine der beiden nur das Ziel — den Gipfel — vor Augen hatte, blieb der andere häufiger stehen, um die Aussicht zu genießen. Dies begann den Schnelleren zu nerven, weil er den inneren Druck verspürte, so bald wie möglich die Spitze des Berges zu erreichen. Der Langsamere bemerkte die Getriebenheit des anderen und fragte ihn, ob er nicht auf dem Gipfel auf ihn warten wolle.

So preschte der andere vor und erreichte in einer Rekordzeit das angestrebte Ziel. Glücklich schaute er sich auf dem Gipfel um und sein Blick schweifte in die Ferne. Da sah er zu seiner Verwunderung, dass nicht weit entfernt ein anderer Berg noch höher zu sein schien als der, auf dem er sich befand. Das konnte nicht sein, er wollte doch zuhause nicht erzählen, dass er lediglich den zweithöchsten Berg der Region erklommen habe. Hektisch packte er sein Brot wieder ein und rannte den Berg hinab.

Auf dem Rückweg begegnete er dem langsameren Wanderer, dem noch ein gutes Stück bis zum Gipfel fehlte. Tut mir leid, rief er ihm im Vorbeigehen zu, ich muss weiter. Auf der anderen Seite ist ein noch höherer Berg! Dieser entgegnete: Ist schon gut, zieh ruhig weiter. Und bei sich dachte er: Wer den Weg nicht auch als Teil des Ziels begreift, ist sowieso kein angenehmer Weggefährte.

Ein Fest im Haus der Tiere: Mit der richtigen Einstellung zum Erfolg

Businessparabel - Ein Fest im Haus der Tiere

Das Haus der Tiere feierte vor einiger Zeit sein 100jähriges Bestehen. Zwei besonders aktive Mitglieder, der alte Hase und der schlaue Fuchs, erklärten sich im Vorfeld des großen Festes bereit, das Catering zu organisieren. Da sich das Haus in öffentlicher Trägerschaft befand, mussten sich die beiden mindestens zwei Angebote einholen, um davon das bessere auszuwählen. Sie beschlossen, zwei Caterer ausfindig zu machen und diese zunächst ein Abendessen für eine kleinere Gruppe aus dem Haus der Tiere servieren zu lassen.

So gingen sie erst zum Löwen, der sein ganzes Geld im Kasino verspielt hatte und nun versuchte, mit seinem neu gegründeten Catering-Service finanziell wieder auf die Beine zu kommen. Der Löwe war sehr überzeugt von sich und ließ den Hasen und den Fuchs kaum ausreden. Ich werde schon genau das Richtige für euch finden, brüllte er zuversichtlich. Ihr werdet in der ganzen Stadt keinen Besseren als mich finden!

Danach suchten sie die fleißige Biene auf, die zusammen mit ihren Freundinnen neben ihrem Honiggeschäft nun auch einen Catering-Service eröffnet hatte. Sie erkundigte sich sehr freundlich nach den Vorlieben jedes einzelnen Gastes, schrieb sich sogar die Zahl der Vegetarier und Veganer auf, und versprach den beiden, dass für jeden etwas Leckeres dabei sein würde.

Am Tag des Abendessens hatten der alte Hase und der schlaue Fuchs zwei große Tische vorbereitet, auf die die beiden Caterer jeweils ihre Speisen und Getränke stellen sollten. Der Löwe kam als Erster und warf protzig eine am selben Tag erlegte Antilope auf seinen Tisch. Daneben stellte er ein großes Fass Bier. Seht her, brüllte er, seht was ich kann. Das macht mir keiner nach. Die fleißige Biene hatte viele Freundinnen dabei, die ihr bei der Gestaltung ihres Tisches halfen. Nach den Vorlieben der Gäste sortiert präsentierten sie auf ihrem Tisch die köstlichsten Speisen und Getränke. Mit Liebe zum Detail war alles dekoriert, am Ende zündeten sie sogar Kerzen aus selbst hergestelltem Wachs an, die für eine sehr feierliche Stimmung sorgten.

Die geladenen Gäste bedienten sich ausnahmslos am Tisch der Bienen und so gewann die fleißige Biene mit ihrem Team die Ausschreibung. Der Löwe machte sich am Ende selber über die Antilope und das Fass Bier her und benahm sich dabei ziemlich rüpelhaft. Als er irgendwann ausfallend wurde, mussten ihn der alte Hase und der schlaue Fuchs hinausbitten. Besoffen wie er war, lallte der Löwe: Ich kann euch 50 Antilopen bringen, wenn ihr wollt. Krieg ich dann die Ausschreibung? Der alte Hase antwortete: Nein, mein lieber Löwe, auch dann nicht. Weißt du, in deinem Geschäft kommt es weniger auf deine Fähigkeiten, sondern mehr auf deine Motivation und deine Einstellung an. Deine Fähigkeiten bestimmen was du kannst, doch deine Motivation und deine Einstellungen bestimmen was und wie du etwas machst. Und darauf, fügte der schlaue Fuchs hinzu, kommt es schließlich an!

Kaffeekränzchen: Wie neue Mitarbeiter entspannt effizient sein können

Thinking outside the box
Business people thinking in the box and one independent thinker coming up with an idea outside of the box.The people and background are on separate labeled layers.

Er war der beste Staubsaugervertreter der Stadt. Innerhalb seines 8-Stunden-Tages schaffte er es, im Schnitt 20 Staubsauger zu verkaufen. Das war einsame Spitze. Mithilfe seiner jahrelang erprobten Überredungskünste konnte er Hausfrauen in wenigen Minuten dazu kriegen, ihm seine Staubsauger nebst einer Jahrespackung Staubsaugerbeutel abzukaufen. Die Firma, in deren Auftrag er unterwegs war, kürte ihn jedes Jahr zum besten Mitarbeiter.

Auch in diesem Jahr nahm er wieder stolz den Preis entgegen. Nach der Verleihung kam ein neuer Mitarbeiter auf ihn zu und fragte ihn, was er tun müsse, um im nächsten Jahr zum besten Mitarbeiter gekürt zu werden. Das ist ziemlich einfach, antwortete er, du musst mehr Staubsauger als ich verkaufen. Ich bezweifle allerdings, dass du es schaffst. Du bist neu im Geschäft und weißt noch nicht, wie es funktioniert. Der neue Mitarbeiter sagte: Vielleicht ist gerade das mein Vorteil.

Ein wenig besorgt um seine hervorgehobene Position in der Firma arbeitete der Staubsaugervertreter noch mehr als zuvor. Seine Tage hatten nun nicht mehr acht, sondern zehn Stunden und er verkaufte mehr Staubsauger als je zuvor. Der neue Mitarbeiter hingegen schien recht antriebslos zu sein. Von einem Kollegen hörte der Staubsaugervertreter, dass er nur wenige Stunden täglich unterwegs sei und angeblich den Großteil seiner Zeit bei irgendwelchen Damen beim Kaffeekränzchen verbrachte. Faul und dazu noch ineffizient, sagte der Staubsaugervertreter, das kann ja nichts werden!

Nach einiger Zeit passierte jedoch etwas Seltsames. Immer mehr Hausfrauen, an deren Tür er klingelte, waren bereits im Besitz eines Staubsaugers seiner Firma. Wie war das möglich? Bei der Geschäftsleitung erkundigte er sich über die Verkaufszahlen der einzelnen Vertreter. Zu seinem Entsetzen hatte der neue Mitarbeiter ihn vom ersten Platz verdrängt. Angetrieben von seinem Ehrgeiz arbeitete er nun noch härter als zuvor, seine Familie bekam ihn kaum noch zu Gesicht.

Es half nichts, am Ende des Jahres wurde der neue Mitarbeiter zur besten Kraft im Unternehmen gekürt. Er hatte doppelt so viele Staubsauger verkauft und anscheinend erheblich weniger gearbeitet. Wie hast du das geschafft? fragte ihn der Staubsaugervertreter. Nun, antwortete der neue Mitarbeiter, ich habe mir meine Faulheit zunutze gemacht. Anstatt tausende von Klinken zu putzen, habe ich den Damen, mit denen ich Kaffee trinke, einen Staubsauger geschenkt. Mein Lohn war ihre Empfehlung. So habe ich innerhalb einer Stunde, in der ich auch noch einen Kaffee getrunken habe, mehr Staubsauger verkauft als du an einem Tag.

 

Die traurige Nachricht: Vom Wert der digitalen Freundschaft

Businessparabel: Die traurige Nachricht

Wenn du eine gute Freundin im Leben hast, dann ist das viel, pflegte ihre Großmutter immer zu sagen. Es war ein Rat, der ihr nicht mehr zeitgemäß erschien, doch wollte sie ihre Großmutter nicht belehren. Heutzutage war der Quell an Freunden doch unerschöpflich. In den sozialen Netzwerken knüpfte sie fast täglich neue Freundschaften, ein Klick reichte aus. Auf der ganzen Welt hatte sie Freunde, mit denen sie die schönen und aufregenden Erlebnisse aus ihrem Leben teilen konnte.

Am Tag, an dem ihre Großmutter starb, hatte sie 1001 Freunde in ihrem digitalen Netzwerk. Sie verspürte ein innere Leere und es überkam sie eine Traurigkeit, die sie so noch nie erlebt hatte. Zum ersten Mal seit mehreren Jahren postete sie nichts auf ihre Pinnwand. Negatives hatte dort einfach keinen Platz. Sie fiel in ein tiefes Loch und merkte, dass sie unbedingt mit jemandem außerhalb ihrer Familie über den Tod ihrer Großmutter sprechen musste. Als sie darüber nachdachte, wem sie sich wohl in dieser für sie so unbekannten und schwierigen Situation anvertrauen könnte, fiel ihr nur eine einzige Person ein — ihre beste Freundin, die sie in letzter Zeit ziemlich vernachlässigt hatte.

Drei Stunden später saßen sie zusammen auf ihrem Bett und weinten so lange, bis sie nicht mehr weinen konnten. Dann begann sie zu erzählen, was ihre Großmutter für eine beeindruckende und weise Frau gewesen war. Und während sie ihre Freundin dabei anschaute, musste sie auf einmal daran denken, was ihre Großmutter immer gesagt hatte: Wenn du eine gute Freundin im Leben hast, dann ist das viel.

Wieder begann sie zu weinen. Erst durch den Tod ihrer Großmutter verstand sie, was dieser Satz wirklich bedeutet.

Der zerstreute Professor: Warum Kommunikation keine Einbahnstraße ist

Kommunikation - Der zerstreute Professor

Ein zerstreuter Professor der Philosophie hatte seinen ersten Tag als Gastdozent an einer Universität im fernen Osten. Der Campus war sehr groß und noch kannte er sich nicht besonders gut mit den Schriftzeichen aus, doch wies ihm ein zuvorkommender Student den Weg zu seinem Hörsaal. Er war ein wenig überrascht, dass so viele Studenten seine Einführungsveranstaltung in die Philosophie der Aufklärung hören wollten – in seinem Heimatland waren es sehr viel weniger.

Ermutigt vom großen Interesse begann er so mit dem ihm eigenen Enthusiasmus über seine Lieblingsepoche zu sprechen. Er hatte diesen Vortrag schon häufig gehalten und war von seiner Qualität überzeugt. Deshalb machte es ihn ein wenig stutzig, dass ihn die meisten Studenten teilnahmslos anblickten und keiner es für nötig hielt, seine Gedanken mitzuschreiben. Das entsprach nicht der Reputation der eifrigen Studenten an dieser elitären Universität.

Während er darüber grübelte, woran das Desinteresse liegen könne, betrat auf einmal ein anderer Professor den Hörsaal. Dieser schaute ihn ganz verdutzt an und fragte ihn, was er dort hinter dem Stehpult mache. Ich verstehe Sie nicht, sagte der Professor, ich führe die Studenten in die Philosophie der Aufklärung ein! Nun ja, entgegnete der andere, das ist bestimmt interessant. Doch leider befinden Sie sich im falschen Raum, hier findet die Einführung in die Kommunikationswissenschaft statt. Wenn das so ist, sagte der Philosophieprofessor lächelnd, dann können Sie Ihre Studenten getrost nach Hause schicken. Ich glaube für heute haben sie genug gelernt!

Die Flussüberquerung: Warum Aktionismus nicht die Antwort auf Prokrastination sein muss

Grass is greener on the other side
Business people taking a risk and jumping to where the grass is greener. The people and background are on separately labeled layers.

Eines Tages kam eine Karawane von Handelsreisenden an einen großen reißenden Fluss. Es war unmöglich ihn zu überqueren, weil die Brücke, die im Jahr zuvor noch das eine Ufer mit dem anderen verbunden hatte, morsch geworden und letztendlich vom Fluss davongeschwemmt worden war. Die Händler waren enttäuscht, da sie hinter dem Fluss ein Land mit riesigen Schätzen und tauschbereiten Menschen wähnten. Die jungen Männer der Karawane wurden schnell ungeduldig und begannen Material herbeizuschaffen, mit dem sie eine Brücke bauen wollten. Dabei konnten sie jede helfende Hand gebrauchen, doch die älteren Männer der Karawane zogen es vor, sich auszuruhen und Schach zu spielen. Sie sagten: Das regelt sich alles schon von selbst. Die jungen Männer hielten das für eine schlechte Ausrede müder alter Männer, denen das Vorankommen der Karawane anscheinend unwichtig geworden war.

Der Bau der Brücke war sehr beschwerlich, die Sonne brannte unerbittlich auf diesen Flecken Erde hinab. Nach einiger Zeit bemerkten die jungen Männer, dass das vorhandene Material nicht reichen würde, um die Brücke fertigzustellen. Also entschlossen sie sich, große Baumstämme aus einem entfernteren Teil ihres Landes zu besorgen. Erneut stritten sie sich mit den älteren Männern der Karawane, weil diese nicht bereit waren, ihnen Tauschwaren für die Beschaffung der Baumstämme mitzugeben. Wieder sagten sie: Das regelt sich alles schon von selbst.

Als die jungen Händler drei Wochen später mit voll beladenen Karren zurückkamen, waren die alten Männer verschwunden. Sie müssen beim Versuch, den Fluss zu überqueren, ertrunken sein, sagte der Anführer der Karawane. Doch als sie näher herantraten, wurde ihnen klar, was passiert war. Nicht nur die alten Männern waren verschwunden, sondern auch der Fluss. Die Sonne hatte ihn ausgetrocknet.